Ich will nicht mehr arbeiten! Darf man das sagen?

„Ich will nicht mehr arbeiten!“
-„Ist das so? Darf man das sagen?“
„Ja, ich denke das darf man sagen!“

Ich will nicht mehr arbeiten. In einer Gesellschaft in der es so selbstverständlich geworden ist, seine Zeit nahezu komplett an etwas zu opfern, das man selbst nicht wertschätzt, geschweige denn gern macht. Ironischerweise weiß niemand wirklich wieso. Wenn man fragt wird man mit „das ist halt so“ abserviert, oder gar gefragt, warum man denn seine Gedanken auf so etwas verschwenden würde.Es darf nicht nach dem Warum, hinter der Vollzeitbeschäftigung geben. Wer nach dem Warum fragt, ist kurz davor es hinter sich zu lassen. Und wer sich anpasst, der geht auf in den Freuden des Großraumbüros und freut sich auf Rente und Artrose. Wir arbeiten. Ist halt so.Und man darf es nicht kritisieren, sonst sieht man sich allem Gegenwind ausgesetzt, den die kollektive Meinung anderer dort so zu bieten hat.Leider funktioniert das Denken der Gesellschaft nur bei denjenigen, die auch ein echtes Interesse an ihrem Kontostand haben. Und obwohl es so viele leugnen, sind sie es doch fast ausnahmslos.Ich gehöre zu der aufmüpfigen Jugend, wie faul ist und nicht schaffen gehen will. Furchtbares Pack, dass meint es könne sich auf die faule Haut legen, während andere schuften. Ich glaube, ich könne mir einen Lenz machen, wenn andere sich um halb fünf aus dem Bett quälen und den ganzen Tag herum rennen und ihre Arbeit machen, damit am Ende Geld da ist.In der Hektik und der Masche der Routine fragt auch keiner. Jeder ist zu sehr mit arbeiten beschäftigt, als das es ginge es zu fragen warum man das tut.Und mal Hand aufs Herz, man braucht fast nie seine acht Stunden um seine Arbeit für den Tag zu machen. Oft tun es fünf bis sechs, meist sogar auch nur die Hälfte. Doch der Rest ist ja Faulheit, oder so.Als erfolgreich gilt in diesen Land der Grad der Kaputtheit, den man hinter einem ausgebrannten Lächeln verbergen kann.Wir sind alle gebeutelt davon, doch niemand spricht darüber.Jeder meint, er dürfe nicht jammern. Sich nicht beschweren über die Zustände, die er der Beschäfitungstherapie, als der wertvollen Arbeit gleichen.Natürlich geht die Motivation verloren und es weicht gelangweilter Resignation, wenn man einfach nur macht, was einem gesagt wird.Natürlich müssen gewisse Arbeiten gemacht werden und es ist gut, dass es Menschen gibt, die sich Dritteltage darum kümmern. Dienste an der Gesellschaft und für andere.Doch andere müssen es eben nicht und es gibt keinen Grund dies dann zu tun.Viele Dinge in Büros werden lediglich gemacht, weil es geht. Man macht einfach. So wie man Autobahn fährt, indem man einfach der Straße folgt.Natürlich sollte man auf Autobahnen eher weniger einfach mal umkehren, doch nichts spricht dagegen, dies einfach mal in unserer Arbeitskultur zu tun.
Doch das ist dann gleich wieder diese „komische neumodische Work-Life-Balance“. Doch vielleicht ist dies keine neue Idee, sondern eine Art back-to-the-roots. Die Machart ganze acht Stunden, ohne wenn und aber für die Pläne eines anderen tätig zu sein kommt irgendwo aus der industriellen Revolution und hat sich gehalten. Seit dem schuften wir uns kaputt an Dingen, von denen wir hinterher rein gar nichts haben.Dass, was uns davon bleibt ist, dass man dann sagen kann man wäre 35 Jahre bei dieser Firma gewesen und die Sache mit dem Rücken unter der Bemerkung man hätte sich ja jetzt den Ruhestand verdient, zu kaschieren versucht.Gleichzeitig sagen wir uns, wir sollten auf unsere Gesundheit achten, weil es eh kein Unternehmen interessieren wird und man am Ende nichts von seiner Aufopferung hat – und trotzdem tun wir genau das.Bleiben länger, reißen uns den Arsch auf und wissen doch nicht warum.
Den Schülern, die möglichst schnell die Diffusion von Schule zum Arbeitsmarkt durchlaufen sollen sagt man, sie sollten etwas tun, was ihnen Spaß macht. Dann macht man ihnen ein BWL-Studium schmackhaft und sagt damit „könne man alles machen“.Irgendwann werden die prasselnden Argumente so laut. Die Thesen derer, die genau das alles nicht gemacht haben. Und wenn man dann macht, was man für ein erfülltes Leben hält ist es gleich „nichts richtiges“ in den Augen anderer.Schule ist ein soziales Chaos und eine der aufwühlendsten Zeiten unseres Lebens. Im Kontrast dazu steht die schreckliche Eintönigkeit des Arbeitslebens.Kein Grund dies anzustreben.Meine Vorstellung eines erfüllten Lebens ist unabhängig von der Norm und das ist auch gut so.
Ich will nicht mehr arbeiten. Nicht mehr einfach nur Dinge tun, die ich für Quatsch halte, bloß weil ein anderer sie so wünscht. Ich will meine Psyche und meinen Körper nicht von solchen Dingen beeinträchtigt sehen, bloß, weil man das halt so macht.Und ich denke, man darf das sagen. Ohne ein Sozialschmarotzer zu sein. Ohne faul zu sein. Ich will intelligent mit meiner Zeit umgehen, ich habe nämlich nur diese eine; und ich will das Leben leben, und nicht auf etwas zurückblicken, was ich nie habe haben können.Das Leben vieler Menschen spielt sich in den Geschichten anderer ab. Der Mensch lebt schließlich in seiner Vorstellung und dort fühlt er sich pudelwohl.Es ist ein bisschen wie das LSD im Trinkwasser von Huxley, oder auch die nicht mehr spürbaren Ketten Humboldts.Irgendwo dazwischen sind wir und machen uns kollektiv unser Gefängnis selbst nur noch stärker.Ich will all dies nicht mehr. In dieser Gesellschaft, die mir droht sukzessive das Leben zu nehmen will ich nicht mehr teilnehmen. Doch es ist ein pay-to-play geworden. Bis man sich finanziell freigeschwommen hat um nicht mehr zu müssen, ist es fast zu spät.Clevere Masche.Es wird sich fast niemand daraus befreien, einfach weil es so schwer wie möglich gemacht wird. Kapitalistisch und indoktriniert.Doch ich will nicht mehr stupide arbeiten. Nicht mehr Dinge tun, die ich hasse und meine Zeit zwischen meinen Fingern zerrinnen sehen mit der wachsenden Deprimiertheit im Nacken, sie niemals wiederbekommen zu können.Und ich denke das darf man sagen.Man sollte sogar.Man muss!Wenn wir in dieser Welt wieder als Menschen existieren wollen und nicht nur als bloße Maschinen, dann müssen wir Gedanken darauf verwenden.