Maximilian Santúlya

„Lächel doch mal“ Kommunikation und Gewalt

Es ist ziemlich kurz gegriffen zu glauben, bloß weil wir die Klappe halten würden wir nicht kommunizieren. Paul Watzlawick, der in jedem Deutsch-Grundkurs gar nicht fehlen darf sagte zu den oft vergessenen Satz „Man kann nicht nicht-kommunizieren“. Damit hat er zwar Recht, doch es geht noch weiter.Bloß weil man nett klingende Worte verwendet heißt das noch lange nicht, dass man auch nett kommuniziert. Bloß weil sich der Text nach schön anhört, heißt es nicht, dass es nicht um Zwang und Willen-bekommen gehen kann.
Kommunikation ist die Art und Weise, wie wir anderen Menschen (und Lebenwesen, manchmal auch Maschinen) mitteilen, was wir brauchen und welche Bedürfnisse bei uns nicht ganz befriedigt sind. Dies können Bedürfnisse nach Liebe, nach Gehör, nach Sicherheit oder auch nach Hunger sein. Wenn Du darauf achtest wie deine Mitmenschen ihr Bedürfnis nach beispielsweise Gehör ausdrucken wirst Du schnell feststellen, dass es Menschen gibt die dafür möglichst laut werden um Dich zu unterbrechen oder zu übertönen oder andere die dafür geduldig warten, bis du den nötigen Headspace hast um ihnen deine Aufmerksamkeit zu schenken. Es gibt Menschen die drücken ihr Bedürfnis nach Zuneigung aus indem sie schlicht danach fragen, wie „Kann ich mal grad‘ ne Umarmung bekommen?“ oder solche die (dein Vertrauen genießend) einfach zu dir kommen und nonverbal sich einfach eine Umarmung oder einen Kuss oder so etwas abholen. Dann wiederum gibt es Menschen, die fragen gar nicht erst, haben nie gefragt und manchmal haben sie auch nicht die Worte um zu fragen. Es geht um gezwungene oder gewaltbehaftete Kommunikation (FUSSNOTE:“(Non-)Violent communication“, damit lässt es sich besser googeln. )Gewaltbehaftete Kommunikation entsteht oft dann, wenn ich meinem Gegenüber meinen Willen aufdrängen will um einen Wunsch oder ein Bedürfnis zu befriedigen, ohne dabei auf die Wünsche, Bedürfnisse oder die Emotionen meines Gegenübers Rücksicht zu nehmen.
Der Satz „Lächel doch mal“ zeigt leider sehr illustrativ, worum es dabei geht. Du hast ihn tausendfach gehört, oder du gehörst zu den Menschen, die ihn sagen oder gesagt haben. Wenn wir an den Satz die unausgesprochene Meta-Ebene dranhängen hört er sich so an: „Lächel doch mal, weil es mir damit besser geht“ oder „Lächel doch mal, weil mich es mich stört, dass Du es nicht tust“  (Fußnote: In meiner Taekwon-Do Gruppe mache ich eine Ausnahme davon, denn ich weiß, dass sich viele mentale Blockaden bei Bewegungsabläufen mit einem Lächeln im Gesicht lösen lassen. Doch wer mit langem Gesicht zum Training kommt und sich lediglich bewegen will, der kann es gern so durchziehen. Mein Bedürfnis ist egal, ich darf nur dafür sorgen, dass das Lächeln zum Bedürfnis des Lächelnden passt)Du merkst, dass das Bedürfnis der Person die lächeln soll hier gar nicht so zählt.  Es geht sogar noch eine Spur oberflächlicher und wenn Du so willst, gewaltbehafteter. Es kommt vor das mit diesem Satz auch ein „Lächel doch mal, weil du mir dann so besser gefällst bzw. ich dich attraktiver finde“ gemeint ist. Dies ist natürlich der absolute sprachliche Zwang und die oberflächliche Forderung nach der Erfüllung des eigenen Bedürfnisses mit einem imperativen, scheinbar banal klingenden Satz. Es steht glaube ich außer Frage, dass dies nicht zu Umgang auf Augenhöhe gehören kann. Sobald man die Bedürfnisse anderer außer Acht lässt, wenn man kommuniziert ist es keine gewaltfreie Kommunikation mehr. 
Vielleicht hast Du erlebt, dass Menschen so etwas sagen wie: „Du machst mich glücklich/traurig/gelangweilt/wütend/etc.“ Deine Gefühle sind jedoch Regungen in dir selbst und nicht wirklich Dinge, die andere machen. Genau betrachtet ist der Satz „Du machst mich traurig“ gewaltbehaftet, auch wenn er nicht so aussieht. Richtiger wäre „Ich bin traurig, weil Du XY gemacht hast“ Das trennt eigene Erfahrung, die ja immer subjektiv und aus der eigenen Persönlichkeit kommt, von denen Dingen die andere tun. Es freut übrigens auch Menschen, wenn Du Dinge ausdrückst wie „Ich bin glücklich weil, Du dies gemacht hast“, dann ist es nicht nur auf Augenhöhe kommuniziert, sondern der andere Mensch weiß auch, was er*sie angenehmenes getan hat. 
Zu häufig kommunizieren wir nur aus unserer eigenen Perspektive heraus, wollen das andere unseren Standpunkt haben und dass genau wir Gehör finden. Viel zu häufig erleben wir uns aber auch auf der anderen Seite, sind der sprachlichen Gewalt und dem Zwang anderer Menschen ausgesetzt und fühlen uns mies dabei. Manchmal hilft es zu sagen „Hey Du lässt mich außer Acht“ und sehr häufig ist es auch gut auf gewaltbehaftete Kommunikation mit dem zweitkürzesten Satz der deutschen Sprache zu reagieren, nämlich „Nein!“
Es lohnt sich einen Blick auf deine Sprache und die Sprache deiner Mitmenschen zu werfen. Wenn wir gemeinsam daran arbeiten die verbale Gewalt unserer Sprache zu minimieren können wir für mehr Miteinander auf Augenhöhe sorgen. Mit Lächeln, aber ohne Zwang.