Man mag schreien wollen, angesichts dessen, was hier niemand zu sehen scheint.

Man mag schreien wollen angesichts dessen, was hier niemand zu sehen scheint …
Nachdem das einundzwanzigste Jahrhundert anbrach und mittlerweile auch beim letzten angekommen ist, dass es das Internet und die gleichgeschlechtliche Ehe gibt, kamen Fragen auf. Wir nennen diese Zeit die Postmoderne, obwohl wir uns als modern bezeichnen. Unsere größte Errungenschaft bisher war das Internet, welches um es mit den Worten von Eric Schmidt zu sagen:“ das größte anarchistische Experiment in der Geschichte der Menschheit [ist]“.Doch diese angeblich so aufgeschlossene und tolerante Gesellschaft offenbart bei genauerer Betrachtung eine groteske Schattenseite. Sie siecht im Desinteresse des Wichtigen dahin. Wir schauen uns lieber 200 Katzenbilder auf facebook an als von den Aktionen von Menschenrechtlern und Freigeistern zu lesen.Angesichts immer größere werdenden Missständen scheinen sich immer weniger Menschen für ihre Welt zu interessieren. Jeder ist darauf bedacht aus seinem Leben ein sichereres und finanziell stabiles Konstrukt aus Bürojob und Kleinfamilie zu machen. Wir wissen zwar, dass es so etwas wie die sogenannte Flüchtlingskrise gibt, doch die wenigsten setzen sich damit auseinander. An den Grenzen unseres Kontinents sterben Menschen die verzweifelt versuchen ihr Leben zu retten. Trotz dass in diesem Land ja insgesamt Hilfsbereitschaft herrscht, gibt es doch diejenigen, die diesen Leuten gar vorwerfen nicht in Europa geboren zu sein. Mit anderen Worten: Ihr Verbrechen besteht darin aus einer anderen Kultur zu kommen und diese in Verzweiflung zu verlassen.Warum helfen wir einander nicht? Warum zeigen wir kein Mitgefühl?Wir spenden facebook-likes und schauen dann wieder auf Katzenbilder.
Jeder von uns presst sich selbst in das Hamsterrad unserer Gesellschaft in dem es darum geht, möglichst wenig auszubrechen, die Zeit im Sinne des gesellschaftlichen Konformismus für Ausbildung und Lebensaufbau zu nutzen, ohne dabei jedoch einen Blick nach rechts und links zu werfen. Nach wie vor gibt es in diesem so aufgeschlossenen und toleranten Land sehr rechtes Gedankengut.In unserer Ignoranz schweigen wir alles tot. Die Bilder in den Nachrichten gehen uns milde gesagt am Arsch vorbei und obwohl wir es nicht wollen werten wir auch Tote nach Herkunft. Stirbt ein Deutscher bei einem Anschlag in Syrien schafft er es post mortem in die Tagesschau – werden dort 50 Syrer in Stücke gebombt interessiert das weniger Menschen. Warum sortieren wir uns?Dies is eine Welt, ein Planet und eine Menschheit, die es zu schützen gilt. Wenn wir uns gegenseitig auffressen verlieren wir am Ende alle.Wir streiten einander, wer die besseren imaginären Freunde hat ohne uns zu überlegen, dass der Konzens der großen Weltreligionen eigentlich Mitgefühl und die Achtung einander ist.Warum erfinden wir Gründe um Dinge zu tun, die allem Voranschreiten nur Steine in den Weg legen.
Der mediale Dschungel durch den wir uns schlagen müssen, wenn wir auch nur ein wenig mehr als vorgefertigte Meinung und gekürzte Artikel haben wollen ist so immens das der Aufwand nicht mehr wirklich das Ergebnis rechtfertigt. Natürlich haben wir Pressefreiheit und es gibt keine Zensur, aber beschissene Berichterstattung ist beinahe genauso schlimm.
Aufgrund unserer Ignoranz und dem Wegschauen vor den Dingen, wo wir unsere Stimme erheben sollten, tragen wir stumm dazu bei, dass sich das Unwetter am Horizont weiter zusammenbrauen kann.Wir sind nicht diejenigen, die den Wind sähen. Nein, wir sind diejenigen, die es nicht verhindern!
Dies ist eines der wohlhabendsten Länder des Planeten, doch wir verstecken uns vor den Geschicken der Welt.
In den 90er Jahren wuchs eine neue soziale Gattung heran, genannt wurden sie die Generation Y (engl. „Y“ für „why?“). Es waren die Menschen, die ihre Umgebung hinterfragen und sich von nicht von Regeln gängeln lassen wollten, bloß weil diese schon vor ihnen existierten. Doch wo ist dieser Freigeist hin? Wo sind unsere Fragen geblieben? Sie wurden von einem schlechten Bildungssystem erstickt und in einen konformen Brei verwandelt aus dem sich schwer ausbrechen lässt. Alles anecken und auflehnen gegen die Systeme dieser Gesellschaft verläuft sich im Sande sozialer Netzwerke, Hasstiraden unter YouTube Videos und dem Niederschlagen der Augen wenn jemand auf der Straße um ein wenig Kleingeld bittet. Wir interessieren uns nicht für die Geschichten, Missstände und Träume von anderen. Wir haben aufgehört Geschichte zu schreiben, Missstände gezielt zu beheben und zu träumen haben wir erst recht aufgehört.Man mag schreien wollen, angesichts dessen, was hier niemand zu sehen scheint!
Unsere Generation ist immer noch da. Wir fragen immer noch das „Warum?“, doch es ist leiser geworden. Wenn wir nicht darauf achten es zu bewahren und es könnte erstickt werden.Menschen, die im neuen Jahrtausend auf diesen Planeten gekommen sind fragen mit bedrückender Häufigkeit nach dem Sinn. Der Sinn ihres tuns und Strebens. Am Ende werden wir eh sterben. Am Ende ist alles bedeutungslos.Ja natürlich …. nicht!Kein verliebtes Paar wird sagen, dass sich eine Beziehung nicht lohne, man würde sich ja eh trennen.Keine Hochzeit müsste gefeiert und kein Abitur geschrieben werden.Ein gnadenloser Gefährlicher Nihilismus hat innerhalb der Jugend Einzug gehalten und droht einen wesentlichen Teil der Gesellschaft in Ohnmacht versinken zu lassen. Bei allem im Leben scheint es nur noch um irgendeine Art von Papier zu gehen. Ein Abiturzeugnis, ein Stammbucheintrag einer Ehe, ein Arbeitsvertrag, eine Sterbeurkunde. Doch fast niemand fragt was eigentlich zwischen all diesen Papieren geschieht. Kaum einer liest zwischen den Zeilen auf all diesen Zertifikaten und Bescheinigungen. Wir lassen das Leben leben. Wir lassen uns gängeln und zurückhalten von obsoleten Regeln und künstlicher Kleingeistigkeit und Engstirnigkeit, die wir als Bescheidenheit und Konzentration auf das sogenannte Wesentliche zu kaschieren versuchen.In der Unfähigkeit ihr Leben mit einem Gefühl von Bedeutung zu versehen gibt es Menschen die zu Mitteln wie Messerklingen und Drogen greifen um ihrem Körper ein  Gefühl von Lebendigkeit entlocken zu können.Wir sind längst die grauen Herren, die Michael Ende so fürchtete. Zeit ist eine Währung und wie mit jeder Form von Geld gehen wir auch damit gedankenlos um. Wir verschenken sie zu miesen Wechselkursen an Vorgesetzte und bejammern es doch.Unsere Fähigkeit gerade das eigene Leben wie von außen zu betrachten und wie ein Fremder zu kritisieren sucht seinesgleichen. Unser Bildungssystem brilliert darin uns mit bestechlicher Effektivität zu zeigen, was wir alles nicht können und wo unsere Schwächen liegen. Es orientiert keine Form von Wissensvermittlung der Freundlichkeit wegen am schwächsten Glied, nein es macht alle Teilnehmer zum schwächsten Glied.Nahezu keiner, der aus den Fängen des Schulsystems entlassen wird hat eine Ahnung was für eine Welt ihn erwartet, die wenigsten wissen in ausreichend konkretem Maße wohin ihr Weg führen soll.Natürlich sind wir überfordert angesichts dieses Paradoxons aus Möglichkeiten und Unfähigkeit. Von allen Seiten prasselt das geistlose Dogma des „Du kannst alles sein, was Du willst“ auf uns ein und gleichzeitig werden alle Querdenker in stummer Übereinkunft klein gehalten. Es ist als müssten die Rebellen heutzutage vorher noch um Erlaubnis fragen.Anstatt uns mitreißen zu lassen von großen politischen Botschaften und den Aufrufen von veränderungsgewillten Mitgliedern der Gesellschaft verschließen wir auch hier die Augen. Bevor uns niemand die ausdrückliche Korrektheit bestätigt, werden wir keine Revolution anzetteln.Doch wir sollten!“Empört Euch!“ schrieb Stephane Hessel, doch seine Stimme ist beinahe verhallt.Lasst sie neu erklingen.Wir sollten schreien, angesichts dessen was hier niemand zu sehen scheint.Laut, bebend und aufrüttelnd.