Maximilian Santúlya

Streitschrift für und gegen Nihilismus

Warum tun wir eigentlich alle, was wir tun?Wir gehen einem Job nach, der uns nur das Geld wert ist und leben oft in Beziehungen in denen wir nicht glücklich werden.Am Ende unseres Lebens wird uns anatomisch das Licht ausgeblasen, doch ist alles zwischen dem was zwischen dem ersten und dem letzten Bett passiert es wirklich wert? Wir leben und arbeiten.Wir verlieben und verlieren uns.Jeder unserer Atemzüge ist ein Stück des Weges bis zur letzten Ehre. Ein Augenschließen mit fragwürdigem Wiedererwachen.Am Ende wird das Universum unsere Existenz, ja die unserer gesamten Spezies, vielleicht auch die unseres Planeten, nicht einmal bemerkt haben.

Und dennoch …
…dennoch wollen wir bemerkt werden. Wir wollen uns ausdrücken und profilieren, uns begeistern lassen und das Geschenk des Lebens und des bewussten Denkens genießen.Doch wie oft geraten wir in den kataklysmischen Strudel der Zweifel. Wir reden uns dann ein, es wäre egal was wir tun, bestenfalls würde derjenige der unseren Nachlass entsorgt von uns erfahren und da es kein sicheres Leben nach dem Tod gibt, gibt es auch nichts wofür es sich wirklich zu leben, geschweige denn zu sterben lohnt.Wie aber kommen Menschen dazu, ihre Lebenszeit etwas zu widmen, das ihre Leidenschaft ist?Wieso schwören sich Menschen ewige Treue, obwohl auch die längste Ehe im Vergleich zur Ewigkeit ein Witz ist?Was machen Menschen, die von einer Berufung sprechen, oder solche die andere allumfassend und lebensverändernd begeistern?Doch viel wichtiger; was machen alle anderen?Was machen diejenigen, die von Depressionen gequält werden? Diejenigen, denen eine Krankheit beinahe die Menschenwürde nimmt.?Was machen Menschen, die alles verlieren und ihre Existenz aus einem Bruchteil ihrer Habe wieder aufbauen müssen?Menschen die Hunger leiden?Menschen, die Verlust erfahren haben und sich nicht vorstellen können wie ein Leben ohne diese eine Person aussehen mag?Was tun Menschen, die sich in sich selbst verrennen; deren Gedanken sich selbst zum Feind werden und deren einziger Wunsch ein Entkommen aus all dem ist?Was verbindet diejenigen, die mit scheinbar nichts auskommen müssen und diejenigen, die Tränen der verflossenen Lebenszeit einsam in ihrem Porsche weinen.Menschen, die trotz allen Reichtümern ihrer Lebenszeit noch nicht das entlocken konnten, was sie erträumen und diejenigen, denen das erreichte noch lange nicht genug ist.Sie machen weiter. Die immerwährende Wahrheit ist, dass es in irgendeiner Form stets weiter geht. Menchen lassen sich nicht aufhalten. Sie kämpfen, obwohl sie um ihre kurze Lebenszeit wissen für ein Ziel. Trotz aller Widrigkeiten schaffen sie es trotzdem, sich im Gewirr unserer Welt zu behaupten. Und das entgegen aller Wahrscheinlichkeit. Entgegen allen niederdrückenden Zweifeln und Ängsten. Entgegen des Wahnsinn und der Destruktivität, das von überall auf uns einprasselt.Wir machen weiter.

Nüchtern und bei Tageslicht betrachtet ist all das Trachten nach höherem Sinn und eigenem Selbstzweck; nach Berufung und Bestimmung im Vergleich zur Ewigkeit und zu dem was das Universum um uns herum ausmacht ein müßiges Tun.Alles in allem können wir es auch sein lassen.Stünde das Ende der Welt bevor; was hätten wir zu befürchten? Unsere Wünsche vom ewigen Leben und von der Erinnerung anderer an uns, schöpfen sich aus der Sicherheit, das unsere Spezies weiter existiert.Doch wenn sie es einmal nicht tut. Wenn dieser eine Tag kommt an dem der letzte unserer Art seinen finalen Beat in den Raum seines Brustkorbes schlägt. Wenn dieser Planet für unsere Spezies unbewohnbar wird. Wenn wir uns selbst physisch und mental den Garaus machen…. weil es nichts egaleres gibt.

Und dennoch…
… dennoch wollen wir gehört werden. Gesehen. Akzeptiert.Der Nihilismus des einundzwanzigsten Jahrhunderts, er ist ein gefährlicher Nihilismus. Er ist ein aggressiver und zerstörerischer Nihilismus. Wir kommen nicht umhin ihm eine gewisse krallende Depression und eine sich aufdrängende Melancholie anzudichten.An genug Orten dieser Welt wird das Auferstehen von Verwirklichung im Keim erstickt. Es gibt nichts egaleres.

Und dennoch…
… dennoch stellt sich diesem aggressiven Nihilismus ein gewaltloser entgegen. Ein Nihilismus, der aus dem Bewusstsein der Vergänglichkeit Kraft schöpft. Eine schöpferische Kraft, die aus der trostlosen Tatsache, das wir alle am Ende sterben werden einen Freifahrtschein für das beste aller Leben macht. Dieser Nihilismus ist die Antwort auf die Fragen der letzten beiden Jahrzehnte.Nach der verlorenen Generation und denen die sie die Fragensteller nennen, glauben wir alle nun endlich unser Leben mit Sinn füllen zu können.Dieser sanftmütige, kreative und tatkräftige Nihilismus ist ein Antagonist auf die Repression und Restriktion der Religion, der dogmatischen Lehren von Gut, Böse, Richtig, Falsch, Moral und Konservative. Er stellt dem engstirnigen Gedankengut ein leuchtendes leeres Regelwerk entgegen.Die Schatten des letzten Jahrhunderts sind noch nicht ganz ausgeleuchtet und obwohl auch Nietzsche selbst damals wusste, dass seine Gedanken noch einige Zeit brauchen ist es nun wichtig die Fußstapfen der bisherigen Geister fortzuführen.Sieht man sich um an den Orten dieser Welt, jene Geburtsstätten dessen, was wir Zeitgeist nennen, dann weiß man, dass es möglich ist.Bloß weil es sich niemand vorstellen kann, heißt es nicht, dass es nicht möglich ist.Wir können machen, das diese Welt Zeit unseres Lebens der beste aller Orte ist und darin des beste aller Leben leben.Wir haben nichts zu verlieren.Wir können nur gewinnen.