Weisheiten

Lebenslinen und ungerade gezogene Weisheiten.
Elongierte, weichgewasch’ne Ratschläge
Des Lebens wohl gekannte Feinheiten
Beschlossen, rückens rostiger Vorschläge

Todsüden, ungezählt und frequent begangen
Lebenslänglich leben, Strafe und Gewinn
Dinge des Lebens, verloren und vergangen
Jeder Wimpernschlag ein Neubeginn 

Wir laufen und atmen und leben,
Wir rennen und denken und beten
Im Herzen und Geiste ein Beben
Sind unsere eigenen Propheten

Zwischen den Zeilen der Geschichte
Im Laufe dessen was einmal Federführung
Nein, das Leben es ist Schritt und nicht Gedichte
Im Korsett des Daseins, grauenvolle Schnürung

Andere malen farbenfroh im Gewitter
Wir jedoch schreiben ungehemmt
Deren Existenz ist nichts als bitter
Vorm Ende Gedanken weggeschwemmt 

Ertrunken in der Mittelmäßigkeit
Beschlossen und nie wieder besprochen
Diese Welt ein Hort der Widerspenstigkeit
Und doch in Löchern tief verkrochen 

Nein, es ist keine Klage und kein Hass
Kein Plädoyer für eine andere Welt
Es ist nicht so das ich fordere, dass
Jemand über alle ein Urteil fällt 

Mein Leben, meine Kette der Kausalität
Ich denke also bin ich; ich selbst ganz
Es ist die trockene welke Pietät
Der Menschen Gedanken ich pflanz.

Vabrix Am’thyst